Montagezeit im Netzausbau reduzieren: Wo im Mittelspannungsprojekt die Stunden verloren gehen

Wer ein Netzausbauprojekt kalkuliert, rechnet zuerst mit Material und Personentagen. Wie stark die Montagezeit im Netzausbau ein Projekt tatsächlich verzögert, zeigt sich oft erst auf der Baustelle, wenn eine Abschaltung länger dauert als geplant und der nächste Gewerketermin bereits steht. Dieser Beitrag ordnet ein, an welchen Stellen im Projekt die Stunden wirklich verloren gehen, und warum die reine Montagearbeit dabei nicht der größte Hebel ist.

Die Rechnung: zwei bis sechs Stunden je Kabelende

Die Montage eines Endverschlusses oder einer Muffe an einem Mittelspannungskabel ist Facharbeit mit vielen Einzelschritten: Mantel und Schirmung absetzen, Isolation abziehen, Feldsteuerung aufbringen, Garnitur montieren, Anschluss herstellen. Je nach Garniturtyp, Querschnitt und Erfahrung der Monteurin oder des Monteurs beansprucht ein einzelnes Kabelende dafür üblicherweise zwei bis sechs Stunden. Bei einer dreiadrigen Verbindung mit zwei Enden addiert sich das schnell zu einem halben bis einem ganzen Arbeitstag, allein für die reine Montage.

Wie lange die Montage tatsächlich dauert, hängt stark von den Umgebungsbedingungen und der Zugänglichkeit der Anschlussstelle ab, dazu kommen Garniturtyp, Leiterquerschnitt und die Erfahrung der ausführenden Person. Ein Endverschluss an einem freien, leicht erreichbaren Schaltfeld ist zügig montiert. Eine Muffe unter beengten Platzverhältnissen oder bei schlechtem Wetter dauert dagegen deutlich länger. In einem Projekt mit mehreren Dutzend Anschlüssen summieren sich schon kleine Abweichungen von der Kalkulation schnell zu spürbarem Verzug.

Diese Zeitspanne ist der Ausgangspunkt jeder Kalkulation, aber sie ist nicht die ganze Geschichte. Wer nur die Montagestunden zählt, unterschätzt systematisch, wie viel Zeit ein Kabelanschluss ein Projekt tatsächlich kostet.

Der eigentliche Kostentreiber ist die Abschaltung, nicht die Arbeitszeit

Die Montage selbst findet fast immer unter einer Netzabschaltung statt: Aus Sicherheitsgründen darf am spannungsfreien, geerdeten und kurzgeschlossenen Kabel gearbeitet werden, nicht am Betriebsmittel unter Spannung. Damit beginnt die eigentliche Kostenuhr nicht erst mit dem ersten Handgriff am Kabel, sondern mit der Schalthandlung, die das betroffene Netzsegment freischaltet.

Zu der reinen Montagezeit kommen deshalb Schalthandlungen vor und nach der Arbeit, Erdung und Freischaltung, Prüfung der Spannungsfreiheit und die Wiederinbetriebnahme mit allen zugehörigen Kontrollen hinzu. In Summe übersteigt diese Randzeit die eigentliche Montagearbeit häufig deutlich. Für Betreiber zählt am Ende nicht, wie lange der Monteur am Kabel gearbeitet hat, sondern wie lange ein Netzabschnitt oder eine Kundenanlage ohne Versorgung war. Genau das ist der Wert, an dem sich eine kürzere Montagezeit tatsächlich auszahlt.

Bei Arbeiten an Übergabestationen von Industriekunden oder an Einspeisepunkten mit vertraglich vereinbarter Verfügbarkeit wiegt jede zusätzliche Stunde Abschaltzeit besonders schwer. Hier verschiebt sich die Kalkulation spürbar zugunsten von Verfahren, die den Zeitbedarf vor Ort verkürzen, unabhängig davon, was diese Verfahren an anderer Stelle im Projekt kosten.

Auch im normalen Verteilnetzbetrieb ist eine Abschaltung selten folgenlos. Betroffene Abgänge müssen umgeschaltet oder ersatzweise versorgt werden, Kundinnen und Kunden sind rechtzeitig zu informieren, und in vermaschten Netzen ist die Zahl gleichzeitig schaltbarer Abschnitte begrenzt. Ein Netzbetreiber, der mehrere Anschlussarbeiten bündeln will, um Abschaltungen zu sparen, gerät damit schnell in einen engen Korridor aus Wetterfenstern, Personalverfügbarkeit und betrieblich zulässigen Schaltzuständen.

Wetter, Fachkräfte, Terminketten: die weichen Verzögerungsfaktoren

Neben der reinen Arbeitszeit wirken mehrere Faktoren, die sich schlechter in eine Kalkulationstabelle packen lassen, aber im Projektalltag regelmäßig für Verzug sorgen.

Wetter ist der offensichtlichste. Feuchtigkeit, Staub und Temperaturschwankungen beeinträchtigen die Montage direkt: Eine verunreinigte oder feuchte Isolierfläche erhöht das Risiko für spätere Teilentladungen erheblich, weshalb erfahrene Monteure bei ungünstigen Bedingungen die Arbeit verschieben, statt ein Qualitätsrisiko einzugehen. Ein Wetterumschwung am Vortag kann so einen fest eingeplanten Schalttermin kurzfristig kippen.

Der Fachkräftemangel wirkt subtiler, aber nicht schwächer: Er zeigt sich selten durch einen plötzlichen Stillstand, sondern durch viele kleine, schleichende Verzögerungen und Qualitätseinbußen im Projektalltag. Die Montage von Mittelspannungsgarnituren erfordert eine mehrjährige Qualifikation, die nicht kurzfristig aufgebaut werden kann. Steht die passende Fachkraft an einem bestimmten Termin nicht zur Verfügung, verschiebt sich nicht nur ein Arbeitsschritt, sondern häufig die gesamte Terminkette eines Projekts, weil Schalthandlungen, Zufahrtsgenehmigungen und andere Gewerke bereits darauf abgestimmt waren.

Terminketten selbst sind der dritte Faktor. Ein Netzausbauprojekt besteht selten aus einer einzelnen Kabelverbindung, sondern aus vielen aufeinanderfolgenden Abschnitten mit Abhängigkeiten zu Tiefbau, Stationsbau und Inbetriebnahme. Verzögert sich ein Kabelanschluss um einen halben Tag, verschiebt sich häufig nicht nur dieser eine Termin, sondern ein ganzer Block nachgelagerter Arbeiten.

Hinzu kommt der Aufwand für die Qualifikation selbst. Neue Garniturensysteme, geänderte Werksnormen einzelner Netzbetreiber und wechselnde Steckertypen verlangen regelmäßige Schulung. Ein Unternehmen, das seine Monteure für mehrere Garniturhersteller und Anschlusstypen auf dem aktuellen Stand halten will, plant damit einen Kostenblock ein, der in der reinen Montagezeit pro Kabelende nirgends auftaucht, sich aber in der Verfügbarkeit von Personal am Ende doch bemerkbar macht.

Was vor Ort übrig bleibt: der Anschluss in acht Schritten

Bei einer werkskonfektionierten Leitung ist die Garnitur bereits im Werk montiert und geprüft. Am Einbauort bleibt im Wesentlichen der Steckvorgang. Ein typischer Ablauf sieht so aus:

  • Freischaltung und Erdung des betroffenen Netzabschnitts
  • Kontrolle der Spannungsfreiheit
  • Sichtprüfung der angelieferten Leitung und der Steckerflächen auf Transportschäden
  • Reinigung der Kontaktflächen
  • Auftragen des vorgeschriebenen Silikonfetts oder Gleitmittels
  • Aufstecken des Steckverbinders auf die Geräteschnittstelle nach EN 50181
  • Kontrolle des Verriegelungsmechanismus
  • Wiederherstellung der Betriebsspannung und Funktionskontrolle

Dieser Ablauf lässt sich in der Regel innerhalb weniger Minuten je Steckverbindung ausführen, deutlich schneller als eine vollständige Feldmontage. Wichtig ist die Einordnung: Diese Zeitersparnis betrifft den Anschlussvorgang selbst. Die Garniturenmontage findet heute noch überwiegend im Feld statt, die Werkskonfektionierung gewinnt als Alternative an Bedeutung, ist aber noch nicht die Regel. Wo sie zum Einsatz kommt, verlagert sie den zeitintensiven Teil der Arbeit von der Baustelle in eine kontrollierte Werksumgebung, in der Wetter und Terminketten keine Rolle spielen.

Der Preis der Methode: der Planungsvorlauf vor der Bestellung

Diese Verlagerung hat einen Preis, der in Zeit statt in Arbeitsstunden bemessen wird. Eine konfektionierte Leitung wird auftragsbezogen gefertigt, konfiguriert nach den exakten Schnittstellen an beiden Enden, und vor Auslieferung vollständig geprüft. Wie lange dieser Prozess bis zum Versand dauert, hängt stark vom Hersteller ab, insbesondere davon, wie viel Kabel- und Garniturenmaterial bereits vorkonfiguriert bevorratet wird, sowie von der Komplexität der jeweiligen Bestellung.

Das setzt voraus, dass Länge und Anschlusstypen zum Bestellzeitpunkt bereits feststehen. In Projekten, in denen sich Kabellängen erst während der Bauausführung ergeben, etwa weil eine Trassenführung angepasst wird, ist dieser Vorlauf ein echtes Hindernis. In Projekten mit früh feststehender Geometrie, etwa der Innenverkabelung einer Kompaktstation, lässt sich der Vorlauf hingegen ohne Weiteres in die ohnehin bestehende Projektplanung einordnen.

Der Vorlauf ist damit weniger ein technisches als ein organisatorisches Problem. Er verlangt, dass Planung und Beschaffung enger zusammenarbeiten als bei klassisch beschafftem Kabel und Garnitur, bei dem sich Längen und Anschlussdetails notfalls noch kurz vor der Montage anpassen lassen. Projekte, die diesen Abstimmungsaufwand frühzeitig einplanen, berichten in der Praxis von deutlich weniger Reibung als solche, die den Bestellprozess für konfektionierte Leitungen wie eine gewöhnliche Materialbestellung behandeln.

Gesamtkosten statt Stückpreis: die betriebswirtschaftliche Einordnung

Vergleicht man ausschließlich die Materialkosten, ist eine konfektionierte Leitung teurer als Kabel und Garnitur einzeln beschafft, weil Werksprüfung, Dokumentation und Verpackung im Preis enthalten sind. Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz, wenn Abschaltzeit, Personalverfügbarkeit und Terminrisiko einen relevanten Anteil an den Projektkosten ausmachen.

Die belastbarere Frage lautet deshalb nicht, welche Beschaffungsvariante pro Stück günstiger ist, sondern welche über den gesamten Projektverlauf weniger unplanbare Zeit kostet. Bei Projekten mit hohem Termindruck, teurer Abschaltung oder vielen gleichartigen Anschlüssen, etwa in einer Serie von Kompaktstationen, verschiebt sich diese Rechnung erfahrungsgemäß zugunsten der Werksfertigung. Bei Einzelanfertigungen mit später festgelegter Geometrie bleibt die klassische Feldmontage häufig die wirtschaftlichere Wahl. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, wohl aber eine Kennzahl, an der sich die Entscheidung im Einzelfall festmachen lässt: der Wert der eingesparten Abschaltzeit gegenüber dem zusätzlichen Planungsvorlauf.

Für die Projektplanung heißt das konkret, die Frage nach Feld- oder Werksmontage früher zu stellen als üblich, nämlich bereits in der Ausschreibungs- oder Angebotsphase und nicht erst bei der Terminplanung der Bauausführung. Steht die Geometrie der Anschlüsse zu diesem Zeitpunkt schon fest, lässt sich der Planungsvorlauf einer konfektionierten Leitung ohne zusätzlichen Verzug in den Projektablauf integrieren. Wird diese Entscheidung dagegen erst kurz vor der geplanten Abschaltung getroffen, bleibt praktisch nur die Feldmontage, unabhängig davon, welche Variante über die Projektlaufzeit hinweg günstiger gewesen wäre.

Wo genau die Montage heute noch an Fehlern scheitert und warum sich diese Fehler oft erst Jahre später bemerkbar machen, beschreibt der Artikel zu den Fehlerquellen bei der Kabelmontage in der Mittelspannung. Wie sich die Zeitersparnis konkret in einer Kompaktstation auswirkt, zeigt der Artikel Trafostation anschließen. Einen Überblick über Aufbau und Bestandteile konfektionierter Leitungen gibt die Pillar Page Konfektionierte Mittelspannungsleitungen.

GRID GmbH liefert Mittelspannungsleitungen von 12 kV bis 36 kV werkseitig konfektioniert und geprüft aus. Bei bereits feststehender Spezifikation versendet GRID die fertig konfektionierte Leitung innerhalb von drei bis vier Werktagen nach Bestelleingang. Für eine Einschätzung zu Ihrem Projekt erreichen Sie uns unter Sales@gridbyhsp.com.